- Harley wäre natürlich aus Imagegründen mein erklärter Favorit, aber Ende Juli werden schon die 2009er Modelle vorgestellt und ich will kein altes Modell fahren. Und die "Classic" Modelle müssten teuer modifiziert werden, um meinen Ansprüchen zu genügen und die Night Rod Special törnt mich jetzt vom Fahrverhalten eher ab.
- Triumph wäre mein zweiter Favorit aber der Umbau der Rocket auf meinen Geschmack kostet rund 30.000 Euro und dann hat man einen 400 kg Brocken, der für tägliche Ausritte nicht tauglich ist. Mit der Speed Triple fahre ich mich tot. Die Bonneville ist mir zu jämmerlich. Aber ich habe gehört, dass Triumph am 25. Juli einen brandneuen Zweizylinder Cruiser vorstellen wird - ebenfalls mit gewaltigen Hubraum.
- BMW macht mich emotional nicht an; so wie die Japaner.
Also habe ich nach einem Besuch bei Wimmer & Merkel einen Spontankauf getätigt und zwar - nicht lachen - eine
Vespa GTS 300 Super

Dieses brandneue Gerät (vorgestellt im Mai) ist die stärkste je gebaute Vespa. Stark ist relativ mit 300 cm³ und 22 PS. Aber man bekommt für einen Roller erstaunlich viel Technik: Viertakter, vier Ventile, elektronische Einspritzung. Der Vorgänger GTS 250 ist übrigens der meistverkaufte Roller in Deutschland und Platz Eins bei der Leserwahl der Zeitschrift "motorrad" in der Kategorie Roller.
Einen Roller kann man immer für die Stadt brauchen und wenn ich ihn jetzt noch mattschwarz lackieren oder bekleben lasse sowie die Chromteile in Schwarzchrom umwandle, dann habe ich ihn wenigsten angemessen gestyled.
Edit: für mattschwarz beträgt der erste Kostenvoranschlag 1.500 Euro. Zerlegen und Zusammenbauen alleine zwei Tage. Die "Chromleisten" sind aus flexiblem Plastik und daher farblich nicht modifizierbar. Schwärzen der Blinkergläser wäre noch eine Idee... Aber ich warte besser mit dem optischen Tuning noch bis zur Winterpause...
Ein Langhuber mit 97 mm Bohrung und 115 mm Hub - also vereinfacht zwei Masskrüge im 48 Grad Winkel produzieren 90 PS bereits bei 4.750 Umdrehungen und 150 NM Drehmoment. Damit man diese Riesenzylinder überhaupt mit vernünftiger Bauhöhe unterbringen konnte, hat er eine untenliegende Nockenwelle, die jeweils vier Ventile über Stösselstangen antreibt.
Wenn man den Motor anlässt, dann lässt jede einzelnen Zündung das Motorrad erbeben. Also losfahren. Geht erstaunlich einfach trotz 260 kg Gewicht. Und wenn man Gas gibt, ballern die zwei oben liegenden Auspuffrohre (serienmässig) laut los. Drehmoment und Leistung gibt es bei jeder Drehzahl satt.
Trotzdem: ein Japaner. Schon das Erlebnis beim Händler ist ein ganz Anderes als bei Harley, BMW oder Triumph - hier merkt man, dass vor allem sozial Schwächere einkaufen.
Er cruised lieber gemütlich mit einer Road King Classic:
Zu zweit fahren macht mehr Spass aber es ist auch anstrengender, wenn der Andere offensichtlich geübter ist und besser fahren kann.
So schnell war ich noch nie: 131 PS bei lediglich 189 kg Trockengewicht lassen einen wieselflink um die Kurven wetzen. Leider lebensgefährlich. Aber interessant. Viel mehr Spass als mit der vergleichbaren BMW K 1200 R. Aber vielleicht kann ich jetzt auch nur besser fahren.
Der mächtige Dreizylinder wird längs eingebaut und bringt seine 140 PS über eine Kardanwelle zum Hinterrad. 360 Kilogramm Lebendgewicht hat die Fuhre (ohne Fahrer). Ein riesiger Tank sorgt dafür, dass der Motor nicht verdurstet (Verbrauch 7 l/100 km). Ein Drehmoment von 200 NM sorgt dafür, dass es in allen fünf Gängen extremer Durchzug vorhanden ist. Theoretisch würde das Teil fast 250 km/h gehen – aber das kann keiner fahren. Triumph begrenzt die Leistung elektronisch in den ersten drei Gängen (um die Kraftübertragung zu schonen) und im fünften Gang, um bei 220 km/h abzuregeln.
Der Verkäufer war gut und bot mir bereitwillig einen Probefahrt an. Ich machte mir aber schon Sorgen, als er das Monster sichtlich angestrengt aus dem Verkaufsraum auf die Strasse schob. Aber Augen zu und drauf: anlassen, losfahren. Rollt.




Zombies gab es im Motorrad-Zentrum reichlich: eine Armada käsegesichtiges Personal, das in ihrer Einheitsuniform eher zur Post als zu einem innovativen Trendbike-Hersteller passen.
Die VRSCDX Night Rod Special, wie sie mit vollem Namen heisst, verfügt über einen V2-Motor, den Porsche für Harley-Davidson Motor entworfen hat: wasser- statt luftgekühlt, 60 statt 45-Grad-Winkel, vier statt einer Nockenwelle und noch dazu alle oben liegend, vier Ventile, Einspritzung und einfach zu modern.
Obwohl noch einmal schwerer, fährt sich die Heritage Softtail Classic wie ein Spielzeug. Ich komme auf Anhieb damit zurecht. Aber man merkt das Alter der Konstruktion. Der Motor röchelt etwas asthmatisch und die Fahrleistungen sind deutlich schlechter als bei der Night Rod. Hinter der Scheibe merkt man kaum den Fahrtwind. Nein - das ist zu langweilig. Wo bleibt die Herausforderung?
Ein Kleinkraftrad mit 50 cm³, 6.25 PS und Vmax von 80 km/h, fahrbar mit Führerscheinklasse 4 war damals das Maß aller Dinge. 1977 präsentierte Zündapp das Spitzenmodell "KS 50 watercooled TT" für unglaublich teure 3.298 DM und wurde damit zum Inbegriff der Schnapsglasklasse. In diesem Jahr verkaufte Zündapp 115.000 Fahrzeuge - davon eins an mich. 1984 war Zündapp pleite.
Weitere zwei Jahre später wurde der Roller ersetzt durch eine gebrauchte Yamaha XS 400 mit 45 PS für 4.000 DM - nicht so kultig aber zuverlässiger:
900 cm³ mit zwei luftgekühlten Zylindern, 78 PS und ein leerer Termignioni Carbonauspuff sorgten nicht nur für anständigen Sound sondern bei leichtgewichtigen 200 kg auch für ansprechende Fahrleistungen mit Vmax von 220 km/h. Damit habe ich viele Touren unternommen und hatte niemals das Gefühl, dass die Fahrleistungen mich unterfordern.
Aber bereits ein Jahr später - November 1993 - beendet ein schwerer Unfall mit einem geliehenen Motorrad in Jamaica meine Karriere als Motorradfahrer. Drei Monate Krankenhausaufenthalt haben mich im wahrsten Sinne des Wortes "kuriert".